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da sitz ich also wieder einmal, in jhochhe, kathmandu, auf den stufen des besten straßencafés der welt und denke an den teppich thurner. teppich hat ja für viele leute eine leicht mythische komponente, damit kann man fliegen oder darin versinken oder leichen darin einrollen (so sagen sie haben sie den jean amery aus dem österreichischen hof hinausgetragen), für mich nicht – dafür war der teppich thurner für meine frühe kindheit von zentraler bedeutung: er war die grenze meiner bekannten welt, beziehungsweise, knapp dahinter. ich wusste, den teppich thurner gibt es, nur wo genau, war mir überhaupt nicht klar. als ich ihn dann das erste mal bewusst wahrgenommen habe, war eine gewisse enttäuschung nicht zu vermeiden, ich hatte mir mehr darunter vorgestellt als ein uninteressantes gebäue, an dem man mit dem auto vorbeifährt – meine eltern haben sie nicht sonderlich für teppichböden interessiert. leider gibt es die dort mittlerweile nicht mehr zu kaufen, aber das gebäude steht immer noch im gewerbegebietlichen niemandsland zwischen harbach und ladering, vielleicht 4 km von meinem elternhaus entfernt. letzten winter hab ich beim schifahren den jos kurt in der gondel getroffen – und der meinte, die wollen eine million euro für das gebäude. immer noch besser als das 5 quadratmeter zimmer (ohne wasseranschluss, wenig licht) in st-germain-des-pres, dass letzte woche für 30.000 euro verkauft wurde.

aber wie komme ich in jhochhe auf den teppich thurner? wegen delhi. dort haben sie sich ja ein neues flughafen-terminal gebaut und dabei mehr teppichboden verlegt, als in allen polnischen schlafwagenwaggons gemeinsam (nach farbe und design zu schließen haben sie aber den gleichen lieferanten wie die polnische eisenbahn). aber damit nicht genug der neuigkeiten: zum beispiel ein grenzer, der doch tatsächlich mit den leuten kommuniziert und stifte herleiht. bei der zollabfertigung scheint es, als gäbe es neuerdings eine verordnung, die jeden aus dem ausland zurückkehrenden männlichen inder dazu anhält, einen 84zoll flachbild-fernseher mitzubringen, wie grabsteine lehnen sie auf den trolleys. und selbst nach verlassen von gebäude und klimaanlage ein schock: der taxisteig wie geleckt und ich so verstört, dass ich den herrn von der polizei doch tatsächlich gefragt habe, ob man hier rauchen darf.

am weg in die stadt ist mir wieder eingefallen, dass indien ja die diesjährigen commonwealth games ausrichtet, die in vier wochen beginnen sollen (wenn endlich der monsun aufhört). es gibt schon eigene fahrspuren auf den stadtautobahnen und blinkende led-randmarkierungen. mittlerweile ist eine fussgängerbrücke eingestürtzt, das olympische dorf scheint unbewohnbar und das internationale ansehen indiens steht auf dem spiel. aber was mich dann endgültig ins reich der entzückten verblüffung gebracht hat, war der erste blick von der nächtlichen hotelterasse: eine schwarz-bunte kuh, mit prallem euter, anscheinend direkt aus holstein oder schleswig eingewandert.

mit ihrer u-bahn sind sie auch zügig vorangekommen und ich kann sagen, die funktioniert prächtig. man bekommt seine einzelfahrt auf einen blauen plastikjeton aufgebucht und fühlt sich ein bißchen wie in der empfangshalle eines mega-kasinos, der graue marmor lässt für einen moment hoffen, las vegas wäre eine vorstadt von warschau. allenthalben hört man ja heutzutage die klage, überall schaue es gleich aus auf der welt, vor allem wenn es um u-bahnen geht: singapur, seattle – same thing. auch in delhi, aber wenigstens hupt der lokführer bei der einfahrt. spucken kostet übringes 200 rupies strafe, am dach mitfahren wird mit 50 rupies bestraft plus “removal from roof.”

eine woche später bin ich in kathmandu angekommen – nach einer weiteren recht heiteren abfertigung am indira ghandi international airport. ich war ungefähr zehn sekunden im gebäude, von denen ich acht damit verbracht hatte, meinen flug am monitor zu suchen – vergeblich – als mich ein mann anspricht, wo ich denn hinwill. er schaut sich mein ticket an und meint ganz professionell: “mister rest, we have been looking for you. your flight has been canceled, we had to rebook you. we have to hurry.” kurz, ganz kurz kam dann in mir die vision von einer blaulichtfahrt zum flugzeug und einem business-class-upgrading auf – war wieder einmal nichts.

dafür war ich eine stunde früher in kathmandu – die habe ich im abendstau verbracht. und da war ich schon wieder überrascht: überall rot-weiß-rote fahnen. zuerst hab ich gehofft, ich steh hinter dem konvoi vom seppi pröll, bis mir die roten sterne im weiß aufgefallen sind. erst am donnerstag ist mir klar geworden, dass es sich dabei um die fahne der nepali congress party (aka grand old party) handelt, die dieses wochenende ihren 12. parteitag abhält. am freitag abend wurde er eröffnet und einer der ersten redner war pushpa kamal dahal – der große vorsitzende der united communist party of nepal-maoist, während des bürgerkriegs (den er zu 80% in indischen luxus-ressorts verbracht haben soll) auch bekannt als prachanda. schon wieder eine von diesen überraschungen. das ist ja wie wenn oskar lafontaine den spd-parteitag eröffnen würde, hab ich mir da im ersten moment gedacht (natürlich hinkt der vergleich gewaltig). nachdem was in der zeitung stand, hat er vor allem den leichten sommerregen gelobt, der kurz vor seiner rede eingesetzt hat. mittlerweile haben die closed sessions begonnen, heute steht in der zeitung, eine der forderungen ist die eröffnung einer botschaft in österreich.

in delhi hab ich mir das parlamentsviertel angeschaut, wie aus honig schauen die sandsteingebäude in der abendsonne aus. vor einem abgezäunten ding, das ich mir als altar der republik erklärt habe, haben mich zwei junge inder gebeten, ein foto von ihnen zu machen. fünf minunten später hab ich sie an der auffahrt wieder getroffen und sie wollten auch ein foto mit mir haben. wie ich das gesehen habe ist mir wieder einmal aufgefallen, wie weiß ich eigentlich bin.

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One thought on “kathmandu, 25/09/2010

  1. wow, du erlebst ja wieder tolle sachen….gruesse an das beste strassencafe der welt…hoffe dass ich naechstes jahr auch wieder dort sitzen kann..
    liebe gruesse heike

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