Home

in jhochhe hat sich in der zwischenzeit einiges getan. babaji hat seinen dhaba zugemacht und ist spurlos verschwunden. letzten winter war er für ein paar tage in seinem dorf braut anschauen, offensichtlich hat sie ihm gefallen. dafür hat dinesh sein chamäleon aufs doppelte vergrößert, auf vier stockwerken kann man dort jetzt sitzen. und nachdem ich mich einen abend lang durch die karte gesnackt habe, muss ich sagen: einen ordentlichen koch hat er mittlerweile auch.

überhaupt die nepalesische snack-kultur, die begeistert mich immer wieder. und ich glaub, von der kann der dinesh auch ganz gut leben, der großteil seines publikums sind junge gut ausgebildete nepali, die am frühen abend auf einen drink und ein paar vorspeisen kommen, bevor (oder nachdem) sie daheim richtig – also reis – essen. als schon alles leer ist, erzählt er von seiner reise in die schweiz und dass die hunde dort netter waren als die menschen.

hier hat der monsun aufgehört, pünktlich zur indrajatra, wie es sich gehört. indra ist ja für den regen zuständig und für den wird ihm mit einem ausgelassenen volksfest gedankt. es werden riesige erntedank-pyramiden aufgeschichtet, mit einem fisch obendrauf. und gleichzeitig findet zu dieser zeit jedes jahr eine von den ganz alten casting-shows statt: kumari, die lebende göttin, wird aus einer reihe von kleinen kindern ausgewählt und dann rapunzel-mässig in einen palast gesperrt bis sie erwachsen ist – so ungefähr. aber nachdem das jedes jahr vorkommt, ist sie wenigstens nicht allein. die kumaris sitzen dann auf kleinen festwägen, die von jungen männern gezogen werden und müssen durch ein tor durchgezogen werden, was nicht so einfach ist, weil der ganze hauptplatz voller leute ist, die schabernack treiben oder wenigstens im weg stehen. wahrscheinlich ist deshalb die polizei mit hundertschaften robocops vertreten. zwischendurch gibts theateraufführungen, eine bhairav-fratze, aus deren mund schnaps sprudelt, krampusumzüge und am letzten tag eine strohschlacht.

This slideshow requires JavaScript.

zwischendurch war aber noch ein anderer hoher feiertag angesetzt: world tourism day. und die lokalen touristiker haben sich zu ehren des namenlosen touristen unter dem titel: all for tourism etwas ganz besonderes einfallen lassen: eine rikscha-rallye durch die altstadt. glücklicher weise war die veranstaltung um sieben in der früh angesetzt, darum fanden sich dann etwa zehn ausländer unter den zahlreichen honoratioren und etwa 200 pfadfinderinnen und schulkindern ein. ich hatte schon einen leicht gequälten gesichtausdruck vorbereitet, der mir aber vollkommen entgleiste, als mir der morgensnack gereicht wurde: ein hering, ein hartes ei und ein tonschälchen mit schnaps. von da an war ich nur mehr begeistert. fast wär es sogar dazu gekommen, dass der weitum bekannte jimi-dai in meiner riksha mitgefahren wäre, aber er hat sich dann doch im letzten moment aus dem staub gemacht. das wäre auch nicht ganz standesgemäß gewesen für den routiniertesten tagedieb der freakstreet.

nach dem umzug ging es mit den reden weiter, als krönender abschluss und absolute zugabe gab es sogar ein paar brocken englisch für die armen ausländer. hisila yami, ehemalige genossin parbati, ehemalige tourismusministerin und immer noch mitglied des zentralkomitees der maoisten hat uns erklärt, dass europa schön und gut ist, aber all die schönen bauwerke und keine menschen, weil die alle immer arbeiten arbeiten arbeiten. nepal dagegen sei ein living museum. und spätestens, wie sie gemeint hat, wir müssten sie entschuldigen, sie müsse jetzt mit ihrem volk auf nepali reden und diesem dann erklärt hat, dass das leben in europa ein rat race sei, nepal aber bald trotzdem so sein werde wie die schweiz, spätestens dann hab ich mich gefragt, wann es endlich einen unpaternalistischen linkspopulismus geben wird, der nicht dem volk aufs maul schaut um ihm dann vorzugaukeln ihm nach dem mund zu reden. aber wahrscheinlich eh nie.

aber ich bin ja zum arbeiten hergekommen, nicht zum rikscha fahren. und das mit dem arbeiten geht wieder einmal ausgesprochen gut – warum, weiß ich auch nicht genau. leicht macht es mir zum beispiel die tatsache, dass relevante leute ungemein zugänglich sind in kathmandu. man ruft am vormittag wo an, sagt, man will den chef sprechen und oft meint der nach zwei minuten vorstellung: komm doch um drei vorbei. aber natürlich hab ich auch schon die ausnahme ausgemacht, die die regel definiert – aber den ruf ich frühestens im dezember wieder an. dafür hab ich heute vormittag eine junge frau gefunden, die für mich nach alten zeitungsberichten sucht und übersetzungen machen wird. die hat mir ein glücklicher zufall (und eine liebe kollegin aus zürich) zugetragen. oder ich geh zu den vorträgen bei martin chautari, wo sich nepalesische und ausländische wissenschafterinnen treffen und höre so wunderbare sätze wie diesen: “this country has a long history of traditions”

in der zwischenzeit hat sich die wasserkraftgeschichte wieder ordentlich zugespitzt, mit einer maoistischen presseaussendung, die den stop aller indisch finanzierten projekte fordert, bis ein neuer premierminister gewählt ist. das kann noch dauern. mittlerweile hat es acht wahlgänge gegeben, mittlerweile ist nur mehr ein kandidat im rennen. aber die haben sich offensichtlich so eine sonderbare geschäftsordnung verpasst, dass erst alle kandidaten zurücktreten müssen, bevor neue antreten können. die bürgerlichen medien meinen, die maoisten wollen mit ihrer forderung indien unter druck setzen seinen widerstand gegen eine maoistische regierungsbeteiligung aufzugeben – ich verstehe zwar nicht ganz, was das für eine taktik sein soll, aber das soll ja noch nichts heißen.

mal schauen, wie das weitergeht. in einer woche fahr ich ins aruntal und schau, was sich dort so getan hat. und dann lass ich mir lernen, wie man reis und kardamom erntet.

Advertisements

3 thoughts on “kathmandu, 30/09/2010

  1. i like!
    ein wenig neidisch macht mich dein bericht: ich sitzte hier vor einer fahlen tasse kaffee ohne nichts, während du hering mit ei und schnaps frühstückst, alter bon vivant!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s