Home

Ich muss gestehen: in meinen narzisstischen Glanzmomenten fühle ich mich von der Weltbank verfolgt. Es ist erst ein paar Monate her, dass ich verstanden habe, dass mein zentrales Interesse Infrastrukturen gilt. Und was macht die Weltbank: genau, einen Report über Infrastruktur in Südasien, der mit Pomp und Videokonferenz am Montag vorgestellt wurde. Das alles weiss ich aus der Zeitung, nicht das da jetzt ein falscher Eindruck entsteht. Ich war nicht eingeladen, was wohl auch daran liegen mag, dass ich meinen Bekannten bei der Bank erst am Donnerstag geschrieben habe, dass ich wieder in der Stadt bin. Am Donnerstag habe ich auch den Bericht gelesen. Und im Grossen und Ganzen kann man eh schwer was sagen gegen die Schlüsse, die da gezogen werden: Südasien braucht bis 2020 Infrastrukturinvestitionen von ungefähr 2 Billionen Dollar, (oder 10% des Gesamten BIPs) um zu Ostasien aufzuschliessen. Wenn ich mir die Zahlen allerdings genauer anschaue, bin ich mir nicht mehr sicher, ob wir der Methodologie im Ganzen trauen können.

Zuerst einmal muss ich anmerken, wie anders dieser Bericht ist als die aus den 1990ern, die die ich aus meiner Arbeit über den Arun-3 Damm kenne. Wie uns auch Kaushik Basu, Chefökonom der Bank, in einem ganz frischen Video erklärt hat die Bank in den letzten 20 Jahren wirklich viel in Methoden investiert um mehr über die „unteren 40%“ zu erfahren. So wird der Zugang zu Infrastruktur sowohl regional als auch nach Einkommensquintilen aufgeschlüsselt. So kommen die ÖkonomInnen zum Schluss, dass der Zugang zu Infrastruktur in (Sri) Lanka weniger vom Wohlstand eines Haushalts abhängt als in Afghanistan.

Sie machen sich auch die Arbeit, Gini-Koeffizienten für den Zugang zu verschiedene Infrastrukturen auszurechnen. Und kommen für Elektrizität in Nepal auf den Traumwert 0.08. Wer zu so einem Ergebnis kommt, dem kann ich nicht über den Weg trauen. Es stimmt durchaus, dass Strom in Nepal gerechter verteilt wird als in Indien, wo die „Metros,“ die Mega-Städte rund um die Uhr Strom bekommen, im Gegensatz zu ländlichen Gegenden. Dagegen sind die Haushalte (und auch die überwiegende Mehrzahl der Unternehmen) in ganz Nepal in sieben Gruppen aufgeteilt, die wöchentlich gleich viel Strom bekommen (momentan 84 Stunden).

So weit so gerecht. Was die Berechnung der Weltbank ausblendet, ist die Realität der „Batterieöknomie“ in Nepal. Am Freitag habe ich mich mit Hom getroffen, einem Anthropologen, der früher einmal Obmann der Yamphu Kirat Samaj war, einer der NGOs aus dem Aruntal. Nach einem Kaffee hat er mich auf seinem Moped mit zum Mandala Book Point genommen. Dort sind wir mit dem Besitzer ins Reden gekommen. Und er hat gemeint (ganz ohne Bezug zum Weltbank-Bericht): „Es gibt keine Berechnungen, wie viele Milliarden Rupien von privaten Haushalten in Strom-Backup-Systeme investiert werden.“ Wer es sich leisten kann, kauft sich ein Batterie-System, das sich auflädt, wenn es Strom gibt, damit man welchen hat, wenn es keinen gibt. Am Sonntag zum Beispiel haben wir mit Batteriestrom das erste Inning des Cricket-WM-Finales geschaut.

Abgesehen davon bleibt schleierhaft wo die postulierten 76% Elektrifizierungsgrad für Nepal herkommen. Naja, schleierhaft stimmt nicht, die Zahl kommt von der International Energy Agency, aus ihrem 2010 World Energy Outlook. Jetzt gibt es aber seit mehr als einem Jahr die Ergebnisse der Nepalesischen Volkszählung von 2011 im Internet zum Download. Da steht, dass in 67% der Haushalte Elektrizität die Hauptlichtquelle darstellt – was wir sicher nicht so einfach mit Zugang zu Elektrizität gleichsetzen können.

Aber zurück zum Cricket: Sri Lanka hat gewonnen. Und ganz unverhofft ist mir eine gute Nachricht zuteil geworden: Wir brauchen uns keine Sorgen um Cat Power mehr zu machen. Nachdem sie sich vor ein paar Jahren ja öffentlich für bankrott erklärt hat, macht ihre Musik mittlerweile Werbung für Whiskey im indischen Sportfernsehen. 24 Stunden später sitze ich in Abu Dhabi am Flughafen und esse Ziegenkäse aus Kathmandu. Sie könnten schön langsam die Klimaanlage ausdrehen.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s