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Nach monatelangem Schweigen, das wohl vor allem stressinduziert* ist, nehme ich die Gelegenheit wahr und halte meinem werten Herrn Bruder in Nepal die Füllfeder und mache mit. Der hat ja übrigens vor ganz kurzem meine Wahlheimat besucht. Leider war ich zu dem Zeitpunkt in Brüssel g’schaffteln, weshalb wir uns verpasst haben. Aber ich habe gehört AirBnB hat ihn gut behandelt.

Ich werde mich jetzt auch nicht allzu lang in ausschweifenden Einleitungen üben sondern gleich versuchen zum Punkt zu kommen. Wenn es den denn gibt. Ich will nämlich mit diesem Beitrag mein Missfallen und meine Sympathie für Dänemark (wenn es denn sowas überhaupt wirklich gibt – also so Sympathie für einen ganzen Staat) ausdrücken. Um nochmal auf das Eingeklammerte zurückzuführen, meine ‘Kenntnis’ von Dänemark beschränkt sich auf Kopenhagen und zwei Ortschaften an der Nordküste (wobei eine der beiden ‘Ortschaften’ das Museum und den Weg dorthin bedeutet). Die andere Ortschaft ist übrigens Helsingør – dort wo Hamlets Schloss Elsenor steht. Darüber hinaus sei noch erwähnt, dass ich auch die Zugstrecke Hamburg – Kopenhagen zurückgelegt hab und dort auch dänische Landschaft begutachten durfte. Damit war ich also theoretisch auch auf der dänischen Insel Lolland, südlich von Kopenhagen. Ich habe mir von Freunden sagen lassen, dass es dort nicht so LOL(ig) zugeht. Trügerisch (faul?) !

Hier endet der Reisebericht. Und ich will meinen Frust zum Ausdruck bringen! Dänemark ist nämlich das glücklichste Land der Welt (anscheinend). Das liegt wohl vor allem daran, dass man am Wetter nichts ändern kann (und würdet ihr hier leben, würdet ihr meine Wetter-Vernarrtheit absolut nachempfinden können), und deshalb krampfhaft versucht, sich nicht aufzuregen. Wobei das so nicht stimmt, weil DänInnen offenbar das Selbstbild haben, dauernd zu motschkern. Für mich als Besitzer eines österreichischen Passes natürlich prinzipiell unglaubwürdig, weil außer Tschechien wohl nichts als ebenbürtig mieselsüchtig anerkannt werden kann.

Dass sie sich selbst aber als Querulanten sehen, hat wohl mit einem “kulturellen Phänomen” (OHO!) zu tun, dass sich Jente’s Law (jetzt müsst ich die dänische Bezeichnung dafür raussuchen) nennt. Demnach ist es in Dänemark grundsätzlich unbeliebt anzugeben oder sich seinen Mitmenschen überlegen zu fühlen. Dass Solidarität in DK gern gelebt wird (weniger im Umgang miteinander in der Öffentlichkeit (Augenkontakt sei (auch beim Anstoßen) vermieden) als durch das Steuersystem, das DK zu einer wesentlich ausgeglicheneren Einkommens- und Vermögensverteilung als Österreich verhilft) ist ein Faktum. Die Solidarität bezieht sich immer auf die Nation, meistens auf die (ähnlich skandinavischen) Nachbarn, oft auf Europa und manchmal auf alle. [Aber der Alltagsrassismus in DK ist ein anderes Thema, dem ich mich (vielleicht) später (mal) widme.]

Wir stoßen hier also auf einen Widerspruch. Während es einerseits gilt, um Bescheidenheit was die Einzelleistung anbelangt bemüht zu sein, trifft das nicht so wirklich auf die ‘Leistung’ der Nation (oder der historischen (meint: Schweden und Norwegen inkludierend) Nation) zu. Dänemark (und/oder der Norden, je nach dem um es sich um Argumentation gegenüber einem/r Auszenstehenden handelt) ist immer top, ganz egal ob es sich nun um das Sozialmodell, den Kapitalismus, den Kaffee (Einspruch!), die Architektur oder Möbel handelt. Im Übrigen gibt es auch kein Verständnis für Abneigung gegen Lakritze. Sowas aber auch.

Das ist jetzt natürlich ganz und gar nicht nur schlecht. Dänemark hat so etwas wie eine geförderte Kulturindustrie. Dänischer Pop (ganz egal wie man nun Popmusik gegenüberstehen mag) sucht seinesgleichen im deutschsprachigen Raum (wobei die Wahrscheinlichkeit von kommerziellem Erfolg von dänisch(sprachig)er Musik im deutschsprachigen Raum aufgrund des Klangs der Sprache eher unwahrscheinlich ist (und ein Aprés-Ski-Geschädigter mit Kartoffel im Mund wohl eine recht geeignete Immitation schaffen würde)). Auf dänische Architektur steht man vor allem in Dänemark. Das ist doch ein recht gelungener und feiner Gegensatz zu heimischem Minderwertigkeitskomplex-Leitmotiv. Zu den weniger erfreulichen Erscheinungen zählen dann etwa, dass man Geburtstage hier mit kleinen dänischen Flaggen feiert (wobei mir versichert wurde, dass keiner damit die Nation in Verbindung bringt, sondern sich das einfach aufgrund von Tradition so ergeben hat). Dass sei nun aber doch verzeihbar, weil mit Ausnahme des dänischen FPÖ-Equvivalents Danske Folkeparti (DF/Dänische Volkspartei) findet jetzt auch dortzulande niemand Nationalismus cool.

Das Vertrauen in den Staat kommt auch mit Vor- und Nachteilen. Ich habe noch nie so ein Vertrauen in die Effizienz der Bürokratie meines Wohnortes gehegt. Ich kann alles im Internet machen und Behördengänge dauern für mich (als EU-Bürger fairerweise angemerkt) vielleicht zwei Minuten. Ich logge mich mit meiner CPR (Centrale Personerregister) Kennung ein und habe Zugang zu allen meinen Daten (der Staat halt am anderen Ende der ‘Leitung’ auch). Dass sämtliche Informationen (Sozialversicherung, Steuern, Einkommen, Arztbesuche, Meldedaten, etc. etc. etc.) auf einer einzigen Nummer zentral gespeichert sind, hört sich schon recht angsteinflöszend an. Ich weiß ich auch, dass ich mich lieber nicht mit Skat Danmark (Steuerbehörde) anlegen sollte. Wenn ich ihnen nicht von mir aus sage, wie viel ich verdiene, schlagen sie mir fürs Erste den Spitzensteuersatz (der in DK auch wirklich spitze ist) auf. Effizient, würd ich sagen. Der Staat kann hier schon viel, deshalb fordert aber auch bis auf eine Kleinpartei mit 2% niemand im dänischen Parlament ernsthaft Steuererleichtungen.

So, das sollte mal ein gewitzter Versuch sein, ein bisschen was aus meinem Alltag mit ein paar Metaelementen zu erzählen. Wenigstens schüre ich diesmal nur ein paar Klischees und werfe nicht mehr meinen Freunden subtilen Rassismus vor (das hab ich übrigens nie gemacht, ihr Heulsusen). Es könnte mehr Konkretes folgen. Dann auch mit weniger Klammern – Versprochen (vielleicht)!

*Das Studium auf English lässt mich Anglizismen vermehrt akzeptieren und in meinen deutschen Sprachgebrauch einführen. Handelt damit!

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