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„[I]n 2006, the imminent future is massive immobility and staggering congestion. Right now locals pay a ‘congestion tax’ – ninety-three hours per commuter per year lost in traffic delays – that is the highest in the United States, and twice as high as it was in 1982. In the worst scenario, it could double again in another decade.“
Mike Davis – City of Quartz

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In der Metro Rail

 

Letztes Wochenende war ich Nikola und Flavia besuchen in Long Beach, im Süden dieses Ballungsraums (wobei, wenn man Mike Davis’s Definition heranzieht, wonach die Agglomeration von Santa Barbara bis Ensenada südlich von Tijuana reicht, dann ist Long Beach ziemlich genau in der Mitte). Und ich kann berichten, man kann ohne Auto leben in dieser Stadt. Man braucht halt einfach länger für weite Strecken. Für die 50km von Palms nach Long Beach brauche ich in der S-Bahn 90min. Wobei – S-Bahn…es ist über weite Strecken eher eine Strassenbahn, diese Metro Rail, zumindest die zwei Linien, die ich getestet habe.

Dass der öffentliche Verkehr in dieser Stadt nach Jahrzehnten der mutwilligen, institutionalisierten Zerstörung im Argen liegt, ist eine Binsenweisheit. Dafür ist er unschlagbar billig: 1,75 $ für ein 2h Ticket in der Metro Rail, 2,25 $ wenn man dann noch in den Bus umsteigen will. Eingestiegen bin ich in Culver City, bis 2016 soll das Netz weiter nach Nordwesten bis an die Küste in Santa Monica geführt werden. Aber was wie eine neue S-Bahn-Linie ausschaut, ist eine alte Trasse, die einfach über Jahrzehnte dem Verfall preisgegeben wurde, bis eine BürgerInneninitiative die Stadt gedrängt hat, was zu machen.

Am Hinweg war ganz aufgeregt, wegen der Streckenführung. Mitten durch durch South Central fährt die Linie, durch Compton und Florence nach Long Beach. Ich denke an die Crips und die Bloods, an Rodney King und die LA riots, an Doctor Dre, Snoop Dogg und Kendrick Lamar. Und dann kommen wir nach Compton und mir fällt auf, dass ich enttäuscht bin, weil das alles irgendwie eh ok ausschaut. Slumming fail. Am Weg zurück hab ich mir dann aber schon gedacht: so stell ich mir Guatemala vor (keine Ahnung wieso Guatemala).

Wenn es um kurze Strecken geht, stimmt aber auch in LA dasselbe wie überall: Das Fahrrad ist am schnellsten. Es ist halt nur nicht immer ganz so kuschelig wie in Kopenhagen, aber mir macht es ja durchaus Spass am Wiltshire Blvd. Domenico und Sahba waren nicht so begeistert, wie ich ihnen meinen Schulweg erklärt habe. Aber jede andere Route wäre mehr als eine Meile länger. Das kommt davon, wenn Stadtautobahnen die Landschaft wie umgekehrte Schützengräben durchziehen und Stadtviertel von einander abtrennen.

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Am Schulweg

Dafür dass diese Stadt von Anfang an für Autos geplant worden ist, geht der Autoverkehr überraschend langsam vor sich, muss ich sagen. Ein Hauptgrund scheint mir das gestörte Verhältnis Kaliforniens zum Vorrang zu sein. Die meisten ungeregelten Kreuzungen funktionieren nämlich nach dem Prinzip: Stop – All way. Das heisst, alle müssen stehen bleiben und überqueren dann die Kreuzung in der Reihenfolge, in der sie angekommen sind. Was ich in den Kleinstädten Südafrikas durchaus charmant gefunden habe, kommt mir in einer Millionenstadt reichlich hirnrissig vor. Wenn es dann aber doch mal eine Vorrangkreuzung gibt – gefühlt eine in fünfzig – zeigt sich, wie schlimm es sein muss für die amerikanische Verkehrsteilnehmerin Nachrang zu haben. Da steht dann nämlich YIELD – was soviel heisst, wie sich ergeben.

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