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Jetzt bin ich also weg aus Los Angeles. Viele wichtige Punkte auf meiner To-Do-Liste bleiben ungetan: Disneyworld, einen Hot-Dog-Burger essen oder in ein Restaurant gehen das Wiener Schnitzel heisst, zum Beispiel. Und keinen einzigen Hollywood-Star habe ich gespottet. Trotzdem verlasse ich diese Stadt viel positiver als ich noch zu Weihnachten geglaubt hatte.

Was ich an Los Angeles mag:

– Dass man in der Drogerie Alkohol kaufen kann

Beim dm gibts mittlerweile vielleicht eh auch schon Radler. Aber bei CVS haben sie ein ordentliches Weinregal.

– Dass die AmerikanerInnen so uncool sind.

Nikola sagt: du meinst peinlich. Ich meine eine spezielle Performance von Begeisterung, die für die meisten erwachsenen EuropäerInnen vollkommen undenkbar ist und bei mir akute Zustände von Fremdscham hervorruft. Zum Beispiel gibt eine relativ berühmte Professorin einen Vortrag über Disability studies und erwähnt, dass in den meisten Film- und Fernsehproduktionen keine behinderten Menschen vorkommen. Wenn aber doch, werden sie fast immer von nichtbehinderten SchauspielerInnen gespielt. Als Ausnahme erwähnt sie die Rolle von Walter White, jr. aus Breaking Bad. Sie erwähnt den Titel der Fernsehserie in ihrer Vortragsstimme, zeigt uns eine Powerpoint-Folie mit dem Schauspieler RJ Mitte als Walter, macht diese Begeisterungs-Geste, für die mir die Worte fehlen (Oberarme am Oberkörper angelegt, Ellenbogen voll abgewinkelt, Armgelenke nach hinten überstreckt, Fäuste auf Brusthöhe) und ruft plötzlich in piepsiger Teenager-Stimme: YAY! Breaking Bad! Zwei Drittel der ZuhörerInnen im Raum lachen.

– Dass alle Frauen immer Yogaleggins anhaben

– Dass die Hunde so gern den Kopf aus dem Autofenster strecken.

Ich glaube in Europa hab ich das noch nie gesehen

– Dass alle immer so freundlich sind.

Das sind sie echt. Und aufmerksam. EuropäerInnen sagen dazu ja gerne: so oberflächlich. Ich verstehe nicht, was teifsinnig an grantig und menschenfeindlich ist.

– Dass sich Leute am Telefon ihre SMS-Konversationen erzählen

Meistens sind es junge Frauen, die zum Beispiel einer Freundin erzählen, wie das mit dem letzten Typen war, den sie gedated haben. „And then I was like….and then he was like..and then we had dinner at this Italian place on Washington…“ Leider sind es immer nur ein paar Sätze, die auf ein katastrophales Ende hindeuten.

– Busfahren

Auch, wenn ich traumatisiert bin davon. Meiner Meinung nach ist es total ok, wenn ein Bus zu spät kommt. Gut, das letzte Mal hab ich 50 Minuten gewartet. Das war dann schon ein bissl lang. Aber wie viel schlimmer ist es, wenn dir der Bus vor der Nase davon fährt obwohl du zwei Minuten zu früh dran bist? Vor allem, wenn er nur jede halbe Stunde kommt.
Wenn du einmal drinnen sitzt, ist es grandios. Busfahren ist unschlagbar billig, aber selbst der Ticketpreis ist ein reiner Serviervorschlag. Sandler zahlen prinzipiell nur einen Vierteldollar, aber irgendwann hab ich auch einfach angefangen zu runden. Manchmal mehr manchmal weniger, je nachdem, wie viel Kleingeld du in der Hosentasche hast oder wie viel Kredit auf deiner Tap-Karte. Wenn sie leer ist, macht das Lesegerät ein unschönes Geräusch. Dann sagst du dem Fahrer einfach: ich lad sie später auf. Und er sagt ok.
Was mir auch entgegenkommt am Busfahren in Amerika ist, dass man beim Einsteigen grüsst und beim Aussteigen danke sagt. Wie ich es im Schulbus gelernt habe. In Wien mache ich es manchmal, wenn ich das Gefühl habe, ich will mir und Wien meine Bauernsauigkeit beweisen.
Am besten am Busfahren in LA ist aber die Erkenntnis, dass es ganz normale Menschen gibt in dieser Stadt und dass du sie alle genau hier treffen kannst. Am schönsten finde ich es mitten in der Nacht von Downtown in die Westside, zum Beispiel im 720er. Die Kundschaft riecht dann zwar ein bissl strenger, aber dafür bekommst du ein Gefühl von Geschwindigkeit, dass du tagsüber meistens vermisst, egal ob im Bus oder im Auto.

– Das Bier.

Das Bier ist echt gut. Viele kleine Brauereien, die viele verschiedene Biere machen. Also das Gegenteil der Bier-Wüste Österreich, wo zirka drei Bauereien ein und dasselbe Bier machen und verschiedene Pickerl auf die Flaschen picken. In Kalifornien werden dafür zwar lächerliche Preise aufgerufen, aber die Leute sind ja auch schlechte Kundschaft und gehen nach einer Halben heim. Keine Ahnung was Ursache und was Wirkung ist.

Ein Zeppelin

Ein Zeppelin

Was ich an Los Angeles nicht mag:

– Den Kaffee.

entgegen anderslautenden Gerüchten können sie immer noch keinen Kaffee kochen. Espresso geht manchmal, beim Latte ist die Milch meistens so heiß, dass sie den Kaffe verbrennt, beim Cappucino ist der Schaum meistens so steif, dass der Kaffee fast nicht durchkommt. Natürlich, die Kaffee-Fremdsprache hört sich schon cool an (Grande fat-free tripple soy latte caramel frappucino with extra cream oder so ähnlich zum Beispiel), ich kann sie aber leider immer noch nicht. Die independent coffee shops können zwar manchmal schon Kaffee machen, aber da fühle ich mich dann eher wie in einer japanische Teezeremonie. Am besten Filterkaffee (aber vorsicht vor dem Haselnuss-Aroma).

– Dass man sich für jede Kleinigkeit anstellen muss.

Schlechten Kaffee zum Beispiel.

– Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Essen und Trinken

Alles was einigermaßen frisch gemacht ist, kostet Unsummen. Es gibt da zum Beispiel so eine deutsche Würstelbude (mit Craft Beer und DJ), da kostet ein pinschiger Hot Dog acht Dollar. Man muss sich zehn Minuten anstellen bis man bestellen kann.

– Dass alle irgendwie immer schreien. Oft sogar wenn sie flüstern.

Wie sie das machen ist mir nach wie vor unklar.

– Dass man eigentlich nie weiß, wie viel etwas kostet.

Manchmal sind die Preise netto, manchmal sind sie brutto. Aber so oder so, es kommen auf jeden Fall noch irgendwelche Gebühren dazu. Irgendwann hab ich dann aufgehört, dem Beachtung zu schenken und wedle mittlerweile nur mehr mit der Kreditkarte.

– Dass viele Leute offenbar glauben, Trinkgeld hat etwas mit Karma zu tun.

Stimmt schon: Ich habe keine Ahnung, wie das mit dem Karma geht. Aber eines weiß ich sicher: man kann es sich nicht mit 20% Trinkgeld erkaufen.

Ein weißes Ex-Hotel

Ein weißes Ex-Hotel

Was ich nimmer noch nicht verstehe:

– Warum so viele Leute so fussmarod sind.

Kein Tag, wo mir nicht jemand auf Krücken unterkommt. Stolpern die alle beim aus dem Auto aussteigen?

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