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Beim Zusammenpacken noch ein paar verstreute Gedanken. Würde ich Röcke tragen könnte ich behaupten, sie wären mir aus den Rockfalten gerutscht. Aber leider trage ich keine Röcke.

Durch Zufall bin ich nach Nuwakot gekommen, zu Shivaratri. Dort habe ich die Shiva’s Slaves kennengelernt, oder halt das was übrig ist von einer Hippie-Bikergang aus den 60ern. Und ich glaube beim Frühstück hat Olda erzählt, wie schön es ist, wenn er in Tschechien am Fenster sitzt und er die Kinder, die draußen spielen versteht – jedes Wort, ohne Anstrengung. Anders wie in seinem Haus in Bhaktapur. Momentan geht es mir ähnlich: ich fühle mich müde vom Sachen halb verstehen.

Am Freitag habe ich einen Vortrag gehalten. Ich habe mir also die Einser Panier angelegt, samt Ledersohlen. Später bin ich zum Patan Durbar Square gelaufen und mir ist aufgefallen, wie einfach mir das Gehen fällt. Das beständige auf und ab schauen zwischen Boden und vorn. Und dass ich nicht mehr umschnackle, sondern mein Knöchel es gelernt haben, mit den Löchern umzugehen, die meine Augen übersehen haben. Einmal, vor Jahren, bin ich so wild umgeknickt, dass es mir – nach ein paar gehumpelten Schritten – den Kreislauf zusammengehaut hat und ich umgefallen bin. Das Komische war: das war mitten am Kantipath, am vielleicht besten Gehsteig Kathmandus.

Am Durbar Square haben sie Samyak gefeiert, was sie nur alle fünf Jahre machen. Da werden hunderte Buddha-Statuen aus Klöstern und Privathaushalten auf den Hauptplatz gebracht, wo sie dann eine Nacht verbringen. Besonders die Klosterstatuen sind oft richtig groß. Und sie sind hohl und haben keinen Boden. Also kann ein Mensch hineinschlüpfen in den Buddha und ihn nebenbei so auf den Hauptplatz tragen. Hat mich natürlich an den Krampus erinnert.

Knapp vor meiner Abreise hatte ich noch einen Termin mit einem wichtigen Politiker. Ich war überrascht, dass es wirklich dazu gekommen ist. Ich hab mich also ins Taxi gesetzt, wir sind nach Koteshwor gefahren und dann hat der Privatsekretär dem Taxler den Weg angesagt, zu einem unscheinbaren Haus am Bagmati unten (eigentlich ist es der Manohara, kurz vorm Zusammenfluss mit dem Bagmati hab ich mir gerade von Google erklären lassen). Ich hab mir wieder die Einserpanier angezogen, samt Ringelsocken und war hoch erfreut, als der Privatsekretär seine Turnschuhe ausgezogen hat bei der Eingangstür. Besserer Blick auf die Ringelsocken. Der Politiker ist auf die Minute genau bei der Tür herein: Topi, Tika, grauer Anzug, kariertes Hemd, beige Socken. Und diese schöne hiesige Angewohnheit, die mir erst vor kurzem so richtig aufgefallen ist: den unteren Sakko-Knopf zu, den oberen offen. Ich glaube ja, das kommt von einem richtigen Bollywood-Badass-Bösewicht, der so seine breiten Schultern betont. Er war eigentlich ganz freundlich und hat mit einer Bestimmtheit über Dinge geredet, die 20 Jahre her sind, die mich erstaunt hat. Der Privatsekretäre hatte übrigens ein Loch um Socken, durch den seine große Zehe herausgeschaut hat.

Was mich am meisten überrascht hat war, dass dieser Mann, der einmal Premierminister war, ganz offen über Korruption redet, sogar Namen nennt. Und dass er im Endeffekt das gleiche sagt, was Sushrut vorgestern gesagt hat: die totale Durchdringung von organisiertem Verbrechen, Politik (sich selbst natürlich ausgenommen) und Bürokratie ist der Hauptgrund, warum in Nepal nichts weitergeht. In Sushruts Worten: Der größte Verbrecher im Land ist der Premierminister. Egal, war das gerade ist.

Ich merke: es ist Zeit diese Arbeit über ungebaute Infrastrukturprojekte fertig zu machen. Und mir ist klar geworden, dass ich momentan in Nepal keinen neuen Auftrag habe. Blöd ist das irgendwie schon: jetzt, wo ich endlich soweit bin, dass ich mich einfach in irgendeine Tschumsn hineinsetze und laaschatzn anfange, bis die Infos daher kommen, ist mir der Enthusiasmus abhanden gekommen. Aber gleichzeitig weiß ich: der kommt schon wieder. Und Südasien werde ich sowieso nicht los. Letztes Jahr in Los Angeles hat Anirban gemeint: “You’re the closest thing to a South Asian friend one can have in California.” Das hat mir gefallen. Aber jetzt freu ich mich erst einmal auf den letzten Rest des Winters. Hier wird es schon langsam heiß und ich hab keine kurzen Hosen mitgebracht.

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